KW13: EU-Parlament beschließt Uploadfilter, heimliche Forschung zu Lügendetektoren an der Grenze, Facebook speicherte Passwörter unverschlüsselt

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NACHRICHTEN

EU-Parlament beschließt Uploadfilter: Entgegen aller Proteste hat mit 348 zu 274 Abgeordneten eine Mehrheit der EU-Parlamentarier am Dienstag in Straßburg für die umstrittene Reform des Urheberrechts gestimmt. Damit steht nun fest, dass Nutzer von Youtube, Facebook und selbst kleiner Plattformen damit rechnen müssen, dass Inhalte aufgrund von echten oder vermeintlichen Urheberrechtsverletzungen gelöscht werden. Grund dafür ist der umstrittene Artikel 13 der Urheberrechtsreform, welcher Betreiber von Internetplattformen, die älter als drei Jahre sind und mehr als 10 Millionen Euro Umsatz machen, dazu verpflichtet, jegliche hochgeladene Inhalte vor der Veröffentlichung auf Urheberrechtsverstöße zu prüfen. Das einzig gangbare Werkzeug für Anbieter wäre dabei ein Uploadfilter. Der Abstimmung ging eine hitzige Debatte voraus. Angestoßen wurde die Reform durch einen Vorschlag des damaligen EU-Digitalkommissars und CDU-Politikers Günther Oettinger, welcher über gute Kontakte zu Lobbyisten und der Industrie verfügt, und durch Axel Voss weitergeführt wurde. Erklärtes Ziel war, die Position der Rechteinhaber zu stärken. Mit der Reform wird in Artikel 11 auch ein EU-weites Leistungsschutzrecht eingeführt. Stimmen aus Politik und Zivilgesellschaft zeigten sich entsetzt über das Ergebnis der Abstimmung. Edward Snowden kommentierte das Ergebnis der Abstimmung in einer deutschsprachigen Twitter-Nachricht als Entscheidung der CDU gegen die Internetfreiheit.
netzpolitik.org

EU forscht heimlich zu Lügendetektoren an der Grenze: Die Europäische Union lässt im Rahmen des dystopisch anmutenden Projektes „iBorderCtrl“ Lügendetektoren entwickeln, die künftig bei Einreisekontrollen eingesetzt werden sollen. Mit 4,5 Millionen Euro Fördergeld erarbeiten europäische Unternehmen und Forschungsinstitute, unter ihnen auch die Leibniz-Universität Hannover, einen Lügendetektor-Test, welchen Bürger aus Drittstaaten bei der Grenzkontrolle oder schon von zu Hause aus vor der Webcam absolvieren sollen. Anhand der Mimik des Befragten soll die Software kriminelle Absichten erkennen und Grenzbeamten danach einen Risikowert übermitteln. Die Forschung zu iBorderCtrl läuft jedoch weitestgehend im Geheimen ab, was die EU damit begründet, dass die kommerziellen Interessen der beteiligten Unternehmen gewahrt werden müssen. Als Reaktion hat Patrick Breyer, Spitzenkandidat der Piratenpartei bei der Europawahl, beim Gericht der Europäischen Union in Luxemburg Klage auf Offenlegung von Projektunterlagen und -berichten eingereicht, auch zur ethischen und rechtlichen Bewertung der Technologie. Breyer begründet diesen Schritt mit dem öffentlichen Interesse an dem Projekt.
spiegel.de

Facebook speicherte Passwörter unverschlüsselt: Schon wieder gab es beim Social Media-Riesen Facebook einen Datenskandal. Diesmal ist ans Licht gekommen, dass das Unternehmen die Passwörter von Hunderten Millionen Nutzern intern im Klartext gespeichert haben soll. Mehr als 20.000 Facebook-Mitarbeiter sollen Zugriff auf die zwischen 200 bis 600 Millionen unverschlüsselt gespeicherten Passwörter gehabt haben. Facebook bestätigte die Vorwürfe, machte aber auch gleichzeitig klar, dass niemand außerhalb des Konzerns auf die Passwörter Zugriff gehabt haben soll. Das Problem sei mittlerweile beseitigt. Hinweise auf Missbrauch durch Facebook-Mitarbeiter gebe es keine. Ob eine Änderung des Passwortes nun sinnvoll ist, lasse sich nicht genau sagen. Im Zweifelsfall sollten Nutzer die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
t3n.de

Merkel berät mit Digitalrat über Umgang mit Daten: Im Rahmen des Digitalrates wird sich die Bundeskanzlerin in der kommenden Woche mit Regierungsberatern über die Nutzung großer Datenmengen für die Künstliche Intelligenz beraten. Ziel des Digitalrates sei es, die Wahrung der Persönlichkeitsrechte mit der Freigabe von Daten im Sinne von technischen Innovationen in Einklang zu bringen, wie Angela Merkel in ihrem am Samstag veröffentlichten, wöchentlichen Podcast erklärte. Spätestens zum Jahresende erhoffe die Bundesregierung „Ergebnisse, die uns in die Lage versetzen, Persönlichkeitsschutz und Datennutzung unter einen Hut zu bringen“. Der ehrenamtlichen Digitalrat, welcher sich mit Experten aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft zu Themen der Digitalisierung berät, ist seit dieser Legislaturperiode aktiv.
heise.de

Verbraucherzentrale rät zur Regelung des digitalen Erbes: Täglich hinterlassen wir zahlreiche Daten und Informationen, während wir Facebook, YouTube und Co nutzen. Was mit diesen Daten alles passiert, prägt einen großen Teil der täglichen Debatten, doch die wenigsten machen sich Gedanken darüber, was nach dem eigenen Ableben damit passieren soll. Doch genau dazu rät der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Schon zu Lebzeiten sollten Netizens eine Vertrauensperson als Nachlassverwalter benennen. Ein Musterformular für so eine Vollmacht bietet der Verband im Netz an. Ganz wichtig: Der Hinweis, dass die Vollmacht auch über den Tod hinaus gilt.
heise.de

Norwegischer Aluminiumproduzent von Hackern angegriffen: Der norwegische Aluminiumkonzern Norsk Hydro ist nach eigenen Angaben in der Nacht zum vergangenen Dienstag Opfer eines massiven Cyberangriffes geworden. Der Konzern teilte am Dienstag in Oslo mit, dass der Großteil der IT-Systeme von dem Angriff betroffen ist. Den norwegischen Sicherheitsbehörden zufolge nutzten die Angreifer den Computervirus LockerGoga, der Daten auf Festplatten verschlüsselt. Das genaue Ausmaß des Cyberangriffs sei noch nicht bekannt, der Konzern versuche, die Attacke zu neutralisieren. Im Zuge der Attacke musste der Betrieb in mehreren Werken eingestellt oder per Hand weitergeführt werden. Aus Furcht vor einem Versorgungsengpass stieg der Preis für Aluminium um bis zu 1,2 Prozent auf ein Drei-Monats-Hoch von 1944 Dollar je Tonne. Die Aktien des norwegischen Unternehmens verloren bis zu 3,4 Prozent.
manager-magazin.dehandelsblatt.com

Flugabsagen wegen Software-Problemen bei Flugsicherung: Bereits in der vergangenen Woche war die Deutsche Flugsicherung (DFS) wegen eines Software-Problems dazu gezwungen, den Verkehr im südwestdeutschen Luftraum einzuschränken. Da das System fehlerhaft arbeitete, mussten die Lotsen genauer und zeitaufwendiger hinschauen, wie eine DFS-Sprecherin erklärte. Mittlerweile führte die Panne zu zahlreichen Verspätungen und Flugausfällen. Die Lufthansa musste 46 Flüge streichen, rund 4500 Passagiere waren betroffen. Als Ursache wird ein Software-Update aus dem Februar vermutet. Allerdings läuft das Programm in den anderen DFS-Centern fehlerfrei.
sueddeutsche.de

Firefox und Tor Browser: Kritische Lücken aus Hacker-Wettbewerb geschlossen heise.de
E-Voting-System der Schweizer Post: Hacker entdecken weitere Fehler nzz.ch
Nokia 7 Plus: Im Geheimen Daten an chinesischen Server gesendet t3n.de
Telegram
: Nachrichten lassen sich jederzeit löschen heise.de
Staatstrojaner: ZITiS will Autos hacken netzpolitik.org

ZAHL DER WOCHE

20 Schulen in Nordrhein-Westfalen testen derzeit die Cloud-Software Logineo, welche die Digitalisierung der Bildung voranbringen soll. Doch die Software steht aufgrund von Datenschutzproblemen in der Kritik. Computer sind an deutschen Schulen Mangelware, doch genau die braucht es, um auf die Software zuzugreifen. Nutzen Lehrer ihre privaten Endgeräte, sind sie für die Sicherheit der sensiblen, privaten Daten der Schüler selbst verantwortlich. Das muss nicht immer gut gehen.
deutschlandfunk.de

HINTERGRUND

Innenminister Seehofer will für bessere Cyberabwehr Grundgesetz ändern: Um Deutschland besser vor Internetattacken zu schützen, will Horst Seehofer die Verantwortung für die Sicherheit im Netz beim Bund bündeln. Schon in den nächsten Tagen soll sich der Bundessicherheitsrat mit den Plänen für eine aktive Cyberabwehr befassen, wie der Minister am Donnerstag ankündigte. Dabei gehe es um die Frage, wie der Staat sich gezielt gegen digitale Angriffe auf kritische Infrastruktur wie beispielsweise Krankenhäuser zur Wehr setze. Es gehe um Fälle, in denen die Funktionsfähigkeit des Gemeinwesens in Gefahr stehe. Die Sicherheitsbehörden sollen in die Lage versetzt werden, bei extremer Gefährdung Server abzuschalten und Datenleitungen zu sperren. Nach Seehofers Einschätzung ist eine Grundgesetzänderung nötig, da die Zuständigkeitszuteilung zwischen Bund und Ländern verändert werden muss. Seehofer hat Kritik an seinen Plänen zurückgewiesen, die Befugnisse der Sicherheitsbehörden für Online-Durchsuchungen zu erweitern.
handelsblatt.com, zeit.de, welt.de

Schadet 5G unserer Gesundheit? In der Debatte um die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G stehen vor allem sicherheitspolitische Aspekte im Vordergrund. Das mag gute Gründe haben, dabei tritt jedoch eine andere Debatte in den Hintergrund: Die um unsere Gesundheit, die durch die Strahlen des neuen Mobilfunkstandards gefährdet werden könnte. Allerdings sieht Inge Paulini als Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz keinen Grund zur Sorge und kündigte gleichzeitig zum Start der 5G-Auktion in der Mainzer Zentrale der Bundesnetzagentur weitere Forschungen über die gesundheitlichen Folgen an. Diese wären auch nötig, denn stark erhöhte Datenübertragungsmengen, neue und zusätzliche Sendeanlagen sowie höhere Frequenzen veränderten die Strahlungsintensitäten. Niemand genau weiß, wie sich höhere Frequenzen von bis zu 26 Gigahertz genau auf den Menschen auswirken. Ebenfalls ungeklärt sei, was geschieht, wenn etwa unterschiedliche Betreiber am gleichen Ort Sendeleistung aufbauen. Aufgrund mangelnder Daten lassen sich die tatsächlichen Folgen bisher schwer einschätzen. Bislang sind nur Spekulationen möglich.
manager-magazin.de

Bundesländer erwägen Totalüberwachung des Online-Glücksspiels: Aus aktuellen Dokumenten einer zuständigen Arbeitsgruppe der Chefs der Staatskanzleien, die der F.A.Z. vorliegen, geht hervor, dass deutsche Behörden in Zukunft den Online-Glücksspielmarkt und deren Kunden überwachen könnten. Zu den Vorschlägen zählen Maßnahmen wie Netzsperren, Payment-Blocking oder staatlich verordnete Einsatzlimits für Wetten. Mithilfe von Datenbanken soll das Verhalten der Nutzer verfolgt und wenn nötig geblockt werden. In der Diskussion sollen ebenso ganze Werbeverbote für Sportwetten stehen. Am Donnerstag beschlossen die 16 Regierungschefs der Bundesländer in Berlin eine Änderung des seit 2012 laufenden Glücksspielstaatsvertrages. Die Diskussion um eine Reform rückte die schärfere Regulierung von Glücksspielen in den Fokus.
faz.net

ZITAT

„Die Entwicklung Orwell’scher Technologien schafft vollendete Tatsachen und Handlungsdruck zur dann verpflichtenden Einführung. Das Angebot schafft die Nachfrage – und sei es auch nur in autoritären Staaten wie China. Der einmal entwickelte „Video-Lügendetektor“ könnte dann auch im privaten und kommerziellen Bereich zum Einsatz kommen und zum Standard werden, um Menschen auszuforschen und ihre Angaben zu kontrollieren.“
Patrick Breyer, Datenschutzaktivist und Spitzenkandidat der Piratenpartei zur Europawahl, hält den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei EU-Grenzkontrollen für eine fatale Idee.
t-online.de

SICHER?

Flugzeug landet versehentlich in Schottland: Passagiere des Fluges BA3271 schlummerten in freudiger Erwartung darauf, nach ihrem frühmorgendlichen Flug über den Ärmelkanal den Boden westlich des Rheins betreten zu können. Dass sie den aber niemals überquert haben, scheint ihnen erst bewusst geworden zu sein, als die Ansage mit den Worten „Willkommen in Edinburgh“ durch die Kabine hallte. Die ursprüngliche Destination des British Airways Fluges war Düsseldorf gewesen, stattdessen ging es aufgrund falsch eingereichter Flugpapiere in den Norden der britischen Inseln. Nach der Fehllandung bat der Pilot die Passagiere dann, die Hände zu heben, wenn sie nach Düsseldorf fliegen wollten. Um 10.30 ging es nach zweistündigem Stillstand auf dem Flugfeld von Edinburgh wie geplant nach Düsseldorf. Vermutlich hoben alle Passagiere die Hände.
bbc.com

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