KW 06: Bundestag streitet über Gesichtserkennung, Indien plant Programm für automatische Gesichtserkennung, CSU-Chef Söder fürchtet Kalten Krieg bei globaler Forschung

NACHRICHTEN

Bundestag streitet über Gesichtserkennung: Unionsvertreter machten sich in einer Bundestagsdebatte für den Einsatz der automatischen Gesichtserkennung stark. Unbescholtene Bürger hätten nichts zu fürchten, betonte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Mathias Middelberg. FDP-Politiker Konstantin Kuhle warnte, es handle sich um eine unausgereifte Technologie, die jegliche Privatsphäre missachte. Grünen-Politiker Konstantin von Notz sprach von einer horrenden Fehlerquote. Linken-Fraktionsvize Andre Hahn erklärte, man werde versuchen, die Einführung zur Not mit allen rechtlichen Mitteln zu verhindern. Auch von der SPD kam Kritik: Eine automatische Gesichtserkennung im öffentlichen Raum sei sehr einfach zu überlisten, warnte die innenpolitische Sprecherin Ute Vogt. Täter könnten sich tarnen, Bürger würden jedoch anlasslos kontrolliert.
zeit.de, zdf.de

Indien plant Programm für automatische Gesichtserkennung: Die indische Regierung hat Pläne für eines der größten Gesichtserkennungssysteme der Welt. Das indische Innenministerium hatte eine Ausschreibung für die Entwicklung eines solchen Systems veröffentlicht. Das Programm soll Daten aus vielen bereits bestehenden Datenbanken zusammenführen, darunter beispielsweise Bilder aus Behörden, Fotos aus Zeitungen oder Fahndungsfotos. Der Plan wird von indischen Datenschützern und internationalen Organisationen stark kritisiert. Experten mahnten, Indien habe kein geeignetes Datenschutzgesetz oder rechtlichen Rahmen für ein solches System und laufe so die Gefahr, das Recht auf Privatsphäre zu missachten. Bereits jetzt besitzt Indien eine riesige biometrische Datenbank, die Fingerabdrücke, Steuerinformationen aber auch Daten über Online-Käufe umfasst. Datenschützer fürchten nun, diese Datenbank könnte in das geplante System integriert werden. Die indische Regierung streitet dies bislang ab.
heise.de

CSU-Chef Söder fürchtet Kalten Krieg bei globaler Forschung: Nach Ansicht von Markus Söder sollte Deutschland mehr Geld in neue Technologien wie die künstliche Intelligenz, das Quanten-Computing oder die Raumfahrt zu stecken. Der Wettbewerb in diesem Bereich sei heute intensiver als je zuvor. Söder mahnte mit Blick auf die Auseinandersetzung zwischen den USA und China, neben der natürlichen Konkurrenz in diesem Bereich komme heute als zusätzliche Herausforderung das Streben nach technischer Dominanz in einer Art und Weise hinzu, in der auch die Forschung teils in andere Interessen eingeordnet werde. Herausragende eigene Fähigkeiten seien nötig, um internationale Regeln mitbestimmen zu können. Wer sich anschaue, wie sich etwa zwischen den USA und China die Forschung in der Welt bipolar entwickle, stelle fest, dass daraus nicht mehr Freiheit, sondern möglicherweise sogar ein kleiner kalter technischer Krieg entstehe. Als Beispiel nannte Söder den Umgang mit Kommunikationstechnologien.
faz.net, welt.de

EU: Mehr Transparenz bei KI: Die EU-Kommission will Entwickler bestimmter Anwendungen von Künstlicher Intelligenz (KI) zu mehr Transparenz zu zwingen. Im Entwurf des KI-Weißbuchs heißt es, wenn die Produkte mit hohen Risiken etwa für Gesundheit oder öffentliche Sicherheit behaftet seien, sollten diese vor der Markteinführung kontrolliert werden. Unabhängige Tests der verwendeten Daten und Algorithmen sollten sicherstellen, dass die Produkte mit den EU-Bestimmungen vereinbar seien. Das Weißbuch wird am 19. Februar durch die Digital-Kommissarin Margrethe Vestager vorgestellt. Das Ziel der Initiative ist es, durch klare Regeln und gute Investitionsbedingungen eine führende Rolle für Europa zu sichern.
handelsblatt.com

Großbritannien erlässt IoT-Gesetz: IoT-Anwendungen haben immer noch häufig mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen. Die britische Regierung hat nun ein Gesetz erlassen, das dagegen vorgehen soll. So sollen Standardpasswörter beispielsweise verboten werden, auch das Zurückstellen eines Passworts auf ein Standardpasswort soll nicht mehr möglich sein. Auch die Versorgung mit Sicherheitsupdates müssen die Hersteller für die Kunden transparent machen. Demnach müssen sie die minimale Supportdauer der IoT-Geräte online oder im Laden nennen. Halten sich Hersteller nicht an die neuen Vorgaben, dürfen ihre Produkte nicht mehr verkauft werden.
golem.de

Kein grundsätzlicher Ausschluss von Huawei in der EU: Brüssel will Huawei nicht grundsätzlich von Ausbau des 5G-Netzes ausschließen. EU-Kommissar Thierry Breton erklärte, jedes Unternehmen, das sich an die bestehende Regeln halte, sei in Europa willkommen. Es geht nicht um Diskriminierung”, sagte Breton im EU-Parlament. “Es geht darum, die Regeln festzulegen.” Diese würden “strikt” und “anspruchsvoll” ausfallen. Das 5G-Netz ist für den Ausbau von IoT-Anwendungen unerlässlich.
welt.de

Boeing: Pentagon warnt vor Lücke in Software zur Steuerung von Atomwaffen stern.de
Stiftung Warentest: Einer der besten Passwortmanager ist kostenlos deutsche-handwerks-zeitung.de
Anleitung: Fünf Regeln zur Bewältigung einer Cybersicherheitskrise computerwelt.at
Universität: Hochschulen arbeiten an besserem IT-Schutz forschung-und-lehre.de

ZAHL DER WOCHE

In etwa ein Viertel aller Nutzer fällt auf Mails zur sofortigen Passwort-Überprüfung herein. Das ist das Ergebnis einer amerikansichen Studie mit zehntausenden von simulierten Phishing-Tests.
wiwo.de

HINTERGRUND

Mehr Bot-Angriffe durch IoT: Distributed Denial of Service (DDoS)-Attacken werden 2020 erheblich zunehmen. Ein Grund dafür ist die stetige Verbreitung von IoT-Anwendungen. Denn diese können einfach gehackt werden und dann für Bot-Angriffe missbraucht werden. Jedes einzelne vernetzte Gerät, das nicht ausreichend geschützt ist, wird so ein potenzieller Soldat einer Botnetz-Armee.
security-insider.de

FDP warnt vor Einsatz von Gesichtserkennung durch deutsche Geheimdienste: Die FDP warnt davor, dass die Gesichtserkennungssoftware von deutschen Geheimdiensten genutzt werden könnte. Der Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle wollte vom Innenministerium wissen, ob die Behörden solche Software wie die von Clearview AI oder anderen durch Nachrichtendienste eingesetzt werden. Mit Blick auf die Bundesbehörden schloss ein Sprecher des Ministeriums einen solchen Einsatz aus. Nicht aber für den Verfassungsschutz und den Bundesnachrichtendienst.
handelsblatt.com

ZITAT

“Bei der Armee heißt das mehr Personal, mehr Ausbildung, mehr Zusammenarbeit mit dem Ausland.”
Die schweizerische Verteidigungsministerin Viola will sich vermehrt dem Kampf gegen Cyberkriminalität widmen.
luzernerzeitung.ch

SICHER?

Kein Moratorium für autonome Waffensysteme: Der Bundestag hat sich gegen einen Antrag der Grünen ausgesprochen autonome Waffensysteme zu ächten. Nur die Linke stimmte mit dafür, alle anderen dagegen. Im Dezember hatte die Gruppe “KI und Staat” der Enquete-Kommission des Bundestags für Künstliche Intelligenz einen Konsens erzielt, dass tödliche autonome Waffensysteme international geächtet werden sollten. Dieses Ziel ist auch im Koalitionsvertrag genannt.
heise.de

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